Radhauptverbindung Sauerlach–Deisenhofen–München · Landkreis München
Oberhaching wollte die Route. Und bekam den Dauerkonflikt.
Was passiert, wenn eine Rad-Schnellverbindung durch eine Wohnstraße und an einer Gaststätte vorbeigeführt wird? Oberhaching bei München führt es seit Jahren vor — als erklärt fahrradfreundliche Gemeinde, die die Route selbst wollte. Niemand kann dort „Verhinderer" rufen. Und trotzdem eskaliert der Konflikt bis heute.
Die Parallele zu Tennenlohe
Die überörtliche Radhauptverbindung (aus dem Radschnellweg-Prüfprogramm des Landkreises München, Korridor Sauerlach–Geiselgasteig) ist seit 2020 auf 7,5 km durchgängig befahrbar — mit Winterdienst. Am Nordende verläuft sie durch eine schmale Wohnstraße (Linienstraße) und direkt am Biergarten Kugler Alm vorbei. Strukturell ist das exakt die Situation, die die Vorzugstrasse für Leitensteig, Branderweg und Sebastianstraße schaffen würde: Schnellverbindung + Wohnstraße + Gastronomie.
Die Strecke im Luftbild
Rot: Tempo-10-Konfliktzone mit Pflaster und Schwellen. Orange: Wohnstraße Tempo 30. Grün: die freie Strecke durch den Perlacher Forst — dort funktioniert die Verbindung. Marker 1–7: die Konfliktpunkte, anklickbar.
Acht Jahre Eskalation — die Chronologie
| Zeitraum | Ereignis |
|---|---|
| bis 2018 | Ständige Konflikte → Tempo-10-Schilder und Rotmarkierungen; 2018 wird der Asphalt teilweise durch Pflaster ersetzt |
| 2025 | Die Gemeinde baut erstmals Bodenschwellen vor der Kugler Alm ein. Der ADFC München warnt öffentlich: erhöhte Gefährdung, Widerspruch zum Charakter der Radhauptverbindung. Auch die Polizei äußert Bedenken. |
| Juli 2025 | Rücksicht-Aktion des Bürgermeisters (Müsliriegel für Radler) — Wirkung „nur bedingt". Eskalation unter Anwohnern: Reißzwecken werden auf dem Radweg ausgelegt. |
| Aug. 2025 | Die Gemeinde erwägt Blitzer gegen zu schnelle Radfahrer. |
| Nov. 2025 | Schwellen werden für den Winterdienst abmontiert — und per Gemeindebeschluss trotz ADFC-Kritik dauerhaft wieder eingeplant. |
| Frühjahr 2026 | Drei zusätzliche Schwellen; Presseberichte über Stürze: „Radler springen, E-Biker straucheln". |
| Juli 2026 | Radfahrer weichen über den Gehweg aus → die Gemeinde montiert Umlaufsperren zum Schutz der Fußgänger. Damit ist die „Schnellverbindung" an dieser Stelle faktisch beendet. |
Warum dieser Fall so aussagekräftig ist
- Kein „Verhinderer"-Vorwurf möglich: Die fahrradfreundliche Gemeinde hat sich selbst für die Route stark gemacht.
- Strukturgleiche Konfliktstelle: Schnellverbindung durch eine Wohnstraße, an Gastronomie vorbei — wie an Leitensteig, Branderweg und Sebastianstraße.
- Alle Gegenmaßnahmen scheitern nachweislich: Tempo 10 wird ignoriert, Appelle verpuffen, Schwellen verursachen Stürze und werden umfahren, Umlaufsperren beenden die Schnellverbindung.
- Der Widerspruch ist dokumentiert — vom ADFC selbst: Verkehrsberuhigung zerstört den Charakter der Radhauptverbindung. Entweder schnell (dann gefährlich fürs Wohnumfeld) oder verträglich (dann kein Radschnellweg mehr). Beides zugleich gibt es nicht.
- Der soziale Frieden ist das eigentliche Opfer: Von Müsliriegeln bis Reißzwecken — der Konflikt zwischen Anwohnern und Radverkehr wurde durch die Trassenwahl erst erzeugt.
Quellen
| Quelle | Inhalt |
|---|---|
| ADFC München, Pressemitteilung 2025 (PDF) | „ADFC München warnt vor gefährlichen Fahrbahnschwellen vor Kugler Alm" — erhöhte Gefährdung, Widerspruch zur Radhauptverbindung |
| Bayerische Staatszeitung, 11.07.2025 | „Zoff um Radschnellweg: Der Kampf um den Asphalt" — Chronik des Konflikts inkl. Reißzwecken-Eskalation |
| Landkreis München: Radschnellverbindungen | Hintergrund zum Radschnellweg-Prüfprogramm und den Korridoren |
| Weitere Berichterstattung (Bezahlschranke) | SZ 27.11.2025 („Weitere Bodenschwellen"), SZ 15.04.2026 (drei zusätzliche Schwellen), Merkur 14.04.2026 („Bremsschwellen-Flop"), Abendzeitung 18.03. und 02.07.2026 (Umlaufsperren), tz 05.12.2025 (Polizei-Bedenken, Unfälle) |
Die Konfliktstellen in Tennenlohe → Unsere Forderungen an Stadt & Regierung →