Radschnellverbindung Erlangen–Nürnberg · Abschnitt Tennenlohe
Radschnellweg? Ja.
Aber nicht durch unseren Ortskern.
Die 2025 beschlossene Vorzugstrasse führt über Leitensteig, Branderweg und Sebastianstraße — mitten durch das gewachsene Wohngebiet von Tennenlohe, vorbei an Grundschule, Kirche, Spielplatz und Sportgelände. Wir sind überzeugt: Diese Führung widerspricht dem Kern der Förderrichtlinien des Bundes. Und es gibt eine bessere Trasse.
Kernargument A: Die Konfliktfreiheit ist nicht gegeben
Radschnellverbindungen müssen nach dem Regelwerk (H-RSV 2021, VV Radschnellwege) eine schnelle, sichere und möglichst störungsfreie Fahrt ermöglichen — getrennt von anderen Verkehrsarten, mit 4,00 m Regelbreite und ohne ständige Querungskonflikte. Die Realität auf der Vorzugstrasse durch Tennenlohe:
- 36 private Ein- und Ausfahrten (Garagen, Höfe, Stellplätze) münden direkt auf die geplante Trasse — viele mit eingeschränkter Sicht durch parkende Fahrzeuge — dazu 8 Straßenquerungen (gezählt in unserer Video-Dokumentation),
- der Eingang zum Spielplatz — Kinder queren genau dort, wo Pendler mit 20–30 km/h fahren sollen,
- der Parkplatz der Gaststätte „Zum Schloss" mit Rangier- und Gästeverkehr,
- die evangelische Kirche St. Maria Magdalena — Gottesdienste, Gemeindeleben, ältere Fußgänger,
- das Sportheim des SV Tennenlohe mit Gästen, Spielbetrieb und der Gaststätte „Zur Wied" (Abendbetrieb bis 22 Uhr),
- die Grundschule — Schulwegquerungen zeitgleich mit der Radpendler-Spitze.
Alle Konfliktstellen im Detail →
Kernargument B: Die Prognose ist nicht belegt
Die Bundesförderung setzt mehr als 2.000 Radfahrten pro Tag im Querschnitt voraus — die Stadt rechnet sogar mit bis zu 4.800 Radfahrten pro Tag. Für den Abschnitt Tennenlohe gibt es jedoch keine veröffentlichten Zähldaten, auf die sich diese Prognose stützen könnte. Die amtliche Dauerzählstelle der Stadt Nürnberg auf der Route (Erlanger Straße) misst seit 2023 im Mittel rund 500–650 Radfahrten pro Tag — ein Viertel der Schwelle, ohne Wachstumstrend. Zugleich wird auf derselben Achse die Stadt-Umland-Bahn (StUB) geplant, die dieselben Pendlerinnen und Pendler ansprechen soll — ob diese Konkurrenz in der Prognose berücksichtigt wurde, ist aus den uns bislang vorliegenden öffentlichen Unterlagen nicht ersichtlich.
Die Planungskosten von 1,465 Mio. Euro werden mit rund 1,1 Mio. Euro vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) gefördert. Auch wenn die Stadt Erlangen unter Haushaltsdruck steht: Auch das Geld des Bundes ist Steuergeld — und es sollte nicht für eine Trasse eingesetzt werden, die gegen die berechtigten Interessen der Anwohner geführt wird.
Unser Gegenvorschlag: Um den Ort, nicht durch den Ort
- Führung entlang der B4, gebündelt mit der StUB-Trasse — so, wie die RSV außerhalb Tennenlohes (ab Reutles) ohnehin überwiegend geführt wird: direkt, kreuzungsarm, konfliktfrei und zu 100 % im Ausbaustandard.
- Wo nötig: Flächenerwerb durch die Stadt statt Radschnellverkehr durch enge Wohnstraßen.
- P+R-Parkplatz und Fahrradparkhaus an der StUB-Haltestelle — echte Verknüpfung von Rad, Auto und ÖPNV.
- Schneller Durchgangsverkehr um den Ortskern; der Ort bleibt für den lokalen Radverkehr voll angebunden.
Pedelecs verändern die Lage
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts war zuletzt etwa jedes sechste Todesopfer im Straßenverkehr mit dem Fahrrad oder Pedelec unterwegs; der Anstieg geht maßgeblich auf getötete Pedelec-Fahrende zurück. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) zeigt zudem: Pedelecs werden in allen Altersgruppen schneller gefahren als herkömmliche Räder. Genau deshalb gehört ein Radschnellweg nicht in enge Ortsstraßen mit Fußverkehr, sondern auf eine eigene, getrennte Trasse. (Quellen: Destatis, Verkehrsunfallstatistik 2024/2025; UDV-Forschungsbericht Nr. 81, 2022.)
Was Sie jetzt tun können
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Neu: Fakten statt Prognosen
Gemessen statt prognostiziert
Die Dauerzählstelle der Stadt Nürnberg auf der RSV-Route misst seit 2023: rund 500–650 Radfahrten/Tag — die Förderschwelle verlangt 2.000 im Tagesmittel. 0 von 1.195 Messtagen darüber.
Was in Oberhaching passierte
Eine Radhauptverbindung durch eine Wohnstraße, an einer Gaststätte vorbei: Tempo 10, Pflaster, Bodenschwellen, Umlaufsperren — acht Jahre Dauerkonflikt in einer Gemeinde, die die Route selbst wollte.
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