Wir prüfen die Prognose der Stadt — mit eigenen Zahlen
Zählen Sie mit. Jede Stunde zählt.
Die Förderfähigkeit hängt an einer Zahl: mehr als 2.000 Radfahrten pro Tag müssen im Querschnitt prognostiziert sein. Ob das für Tennenlohe realistisch ist, lässt sich überprüfen — durch Zählungen vor Ort. Anwohnerinnen und Anwohner sind herzlich eingeladen, eigene Zählungen durchzuführen und die Protokolle mit uns zu teilen.
Gemessen statt prognostiziert: die amtliche Dauerzählstelle auf der Route
Auf dem Nürnberger Abschnitt des RSV-Korridors zählt die Stadt Nürnberg seit Juni 2023 den Radverkehr automatisch — Dauerzählstelle Erlanger Straße (RZG003), öffentlich einsehbar auf nuernberg.eco-counter.com. Das Ergebnis von über drei Jahren Messung:
Die Fördervoraussetzung verlangt 2.000 Radfahrten im Tagesdurchschnitt. Die Dauerzählstelle misst im Mittel rund 500–650 — nicht an einem einzigen Tag in dreieinhalb Jahren wurde auch nur 1.500 erreicht, und ein Wachstumstrend ist nicht erkennbar (2024: 555 · 2025: 512 im Tagesmittel). Zur Einordnung: Das unterstellte Niveau erreicht in ganz Nürnberg nur die stärkste innerstädtische Zählstelle (Dürrenhofstraße, Jahresmittel 2.236). Die Prognose bezieht sich zwar auf das Potenzial nach Ausbau — aber eine Ver-drei-bis-vier-fachung durch den Ausbau ist durch nichts belegt. Genau deshalb zählen wir zusätzlich selbst vor Ort in Tennenlohe.
Damit die Zählung „behördenfest" ist: die Methode
Behörden erkennen Zählungen nur an, wenn sie methodisch nachvollziehbar sind. Unsere Vorgaben orientieren sich an den anerkannten fachlichen Standards für Verkehrserhebungen — den „Empfehlungen für Verkehrserhebungen" (EVE) der FGSV und der Methodik der bundesweiten Straßenverkehrszählung der BASt. Bitte halten Sie sich genau an die folgenden Regeln:
1. Zählstelle (Querschnitt) exakt festlegen
- Zählen Sie an einem festen Querschnitt (z. B. „Leitensteig Höhe Hausnr. X").
- Zählstelle eindeutig notieren: Straße, Hausnummer/Kreuzung, wenn möglich GPS-Koordinaten.
- Ein Foto des Standorts mit Blickrichtung machen — ohne erkennbare Personen.
2. Zählzeitraum und -dauer
- Normale Werktage (Di, Mi, Do) außerhalb der Schulferien.
- Kernzeiten: Morgenspitze 7:00–9:00 Uhr und Abendspitze 16:00–18:00 Uhr; optional zusätzlich 11:00–13:00 Uhr.
- Mindestens 2 volle Stunden, erfasst in 15-Minuten-Intervallen.
- Nicht zählen bei Regen, Schnee, Sturm, unter 5 °C, an Feiertagen, bei Baustellen oder Veranstaltungen. Wetter immer notieren.
3. Was wird gezählt?
- Radfahrende je Richtung — möglichst unterschieden: Fahrrad / Pedelec / Lastenrad.
- Zu Fuß Gehende je Richtung — wichtig für den Konfliktnachweis.
- Kfz (Pkw / Lkw / landwirtschaftlich) je Richtung — wichtig für die Mischverkehrsfrage.
- Besondere Vorkommnisse (Beinahe-Zusammenstöße, enge Überholmanöver) mit Uhrzeit notieren.
4. Dokumentation — ohne sie ist alles wertlos
- Ausschließlich das standardisierte Zählprotokoll verwenden.
- Alle Kopffelder ausfüllen: Datum, Uhrzeit, Zählstelle, Wetter, Name, Unterschrift.
- Werte während der Zählung eintragen (Strichliste), nicht aus dem Gedächtnis.
- Korrekturen durchstreichen statt überschreiben — wie bei einem amtlichen Protokoll.
- Das fertige Protokoll abfotografieren, bevor Sie es abgeben.
5. Zu zweit ist besser
Bei stärkerem Verkehr idealerweise zu zweit zählen (eine Person je Richtung). Beide Namen notieren — zwei unabhängige Zählende erhöhen die Beweiskraft erheblich.
6. Datenschutz
Keine Personen fotografieren oder filmen, keine Kennzeichen notieren. Gezählt werden nur anonyme Verkehrsmengen.
Protokolle einreichen
Häufige Fragen
Zählt meine Einzelzählung überhaupt?
Ja. Eine einzelne 2-Stunden-Zählung ist ein Puzzleteil. Aus vielen Zählungen an denselben Querschnitten über mehrere Wochen entsteht ein statistisch belastbares Bild, das wir in Stellungnahmen an Stadt, Regierung von Mittelfranken und Fördergeber einbringen.
Warum 15-Minuten-Intervalle?
Das ist das Standardintervall der Verkehrszählungspraxis. Es erlaubt die Ermittlung der Spitzenstunde und die Hochrechnung auf Tageswerte nach anerkannten Verfahren — genau die Größen, mit denen auch die Stadt und die Fördergeber rechnen.